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Ritsu Doan wechselt zum SC Freiburg
Ritsu Doan wechselt zum SC Freiburg

Ritsu Doan – Hacke, Spitze, Übersteiger für den SC Freiburg | Scouting Report

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Ritsu Doan ist zurück in der Bundesliga! Der Japaner wechselt zum SC Freiburg, nachdem er 2020/21 bereits auf Leihbasis für Arminia Bielefeld spielte. Doan kommt von der PSV Eindhoven und folgt Teamkollege und WM-Held Mario Götze in die Bundesliga.

Freiburg holt Ritsu Doan: Was lange währt, wird endlich gut

Der SC Freiburg war bereits letzten Sommer auf der Suche nach einer Verstärkung für die Offensive. Öffentlich suchte man von Physis und Kopfballstärke, inoffiziell verriet aber schon das Gerücht um eine Rückkehr von Luca Waldschmidt, dass man auch bei spielstarken Offensivkräften nicht abgeneigt war.

Auch letzten Sommer war man schon an Ritsu Doan interessiert. Ein Transfer kam aber aus unterschiedlichen Gründen nicht zustande. Auf der Suche war man nach „einem anderen Stürmer als Ermedin Demirovic und Lucas Höler“, erklärte Christian Streich. Nun kommt zusammen, was letzten Sommer schon zusammen gehörte: Ritsu Doan wechselt in den Breisgau.

In einer Pressekonferenz äußerte sich Streich bereits 2021 zu Doan: „Wenn wir bei Bielefeld einen Spieler sehen, der so spielt und dort so eine Spielfreude und Beweglichkeit hat, dann reden wir über den Spieler.“ Zwar seien noch „20 andere“ im Gespräch gewesen, doch Doan wollte man schon damals unbedingt zum Sport-Club lotsen. Nun ist es gelungen.

Geheimwaffe Übersteiger: Dribbelkünstler Ritsu Doan

Der Linksfuß zeigte schon bei seinem letzten Bundesliga-Abstecher zur Arminia, was er richtig gut kann: Dribbeln. Die von Streich zitierte Beweglichkeit gepaart mit einer starken Ballkontrolle führt dazu, dass er kaum vom Ball zu trennen ist. Mit 82 überdribbelten Spielern gehörte er zu den Top-5 der Bundesliga. Besonders beeindruckend ist dabei sein Übersteiger.

Seine Gegner reagierten oft mit Fouls. Hier machte Doan sogar Lucas Höler Konkurrenz: Mit 69 gezogenen Fouls belegte er ebenfalls Platz Fünf. Seine Körpertäuschungen sorgen bei vielen Verteidigern für Koordinationsprobleme. Durch clevere Laufwege findet er immer wieder Eins-gegen-Eins-Situationen und kommt nach einem Dribbling zum Abschluss.

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Kann Ritsu Doan auch Freiburg-Fußball?

Der größte Faktor beim SC Freiburg ist vor allem die Defensivarbeit. Und dabei überrascht der japanische Nationalspieler. Diese quirligen Dribbler haben die Arbeit gegen den Ball normalerweise als Schwachstelle. Doan nicht.

In 90 Spielminuten setzte Doan in der Bundesliga rund 21 Mal den Gegner unter Druck. Dabei gewann seine Mannschaft in 31% der Fälle den Ball zurück. Beim SC Freiburg wären das in der vergangenen Saison Bestwerte gewesen! Kämpferherz Lucas Höler kam im Vergleich „nur“ auf rund 18 Druck-Situationen und 29% Ballgewinne in deren Folge.

Auch sein Zweikampfverhalten kann sich sehen lassen. In der vergangenen Saison gewann er rund sieben Duelle in 90 Minuten (52,86%). Damit kommt er in der Masse an Topwerte wie die von Kevin Schade (9,82 gewonnene Zweikämpfe/90 bei 47%) heran, überragt jedoch bei der Erfolgsquote sogar knapp Spitzenreiter Höler (8,63 gewonnene Zweikämpfe/90 bei 52,64%).

Physis als einzig klare Schwäche

Auf der Suche nach Problemstellen im Spiel des Japaners wird aber auch klar: Er ist kein Spieler für physische Luftduelle. Mit 1,72m sowie rund 70kg ist er zwar schnell und wendig, aber kein robuster Spieler. Die Luftzweikampfquote von 35% könnte schlechter sein, doch meidet er auch aktiv Raumduelle: Nur jedes dritte Spiel gewinnt er einen Luftzweikampf, führt also nur etwa einen pro Spiel.

Auch in der Defensivarbeit dürfte es manchmal etwas mehr Härte und vor allem Durchsetzungswille sein. Verliert er einen Ball oder Zweikampf, dauert das defensive Umschalten etwas zu lange. Das verbesserte sich in seinem Jahr bei Eindhoven zwar, doch Christian Streich wird hier eine noch größere Motivation für die Arbeit nach hinten sehen wollen.

Ritsu Doan wechselt zum SC Freiburg

Ritsu Doan mit dem neuen Trikot. (Foto: SC Freiburg)

Spielverständnis und Kommunikation

Beim SC Freiburg präferiert man eigentlich Spieler, die schon Deutsch sprechen. Wenn nicht, legt man Wert darauf, dass sie es schnell lernen, so die Aussagen bei Baptiste Santamaria und Hugo Siquet. Nach seinem Jahr bei Arminia Bielefeld hat Ritsu Doan schon erste Deutschkenntnisse erworben, vorerst wird er sich aber wohl hauptsächlich auf Englisch unterhalten.

Auf dem Platz sollte das aber kein Problem sein. Dort lernte er in den letzten Jahren, sich auch über Körpersprache und Handzeichen verständlich zu machen. Dabei ist er ein sehr aktiver Kommunikator. In den letzten zwei Jahren verbesserte sich vor allem sein Spielverständnis. Immer wieder war er bei der PSV Taktgeber für Pressingaktionen und Spielkombinationen.

Auch hier findet sich jedoch Verbesserungspotenzial: Bei Eindhoven vertrauten ihm seine Mitspieler – besonders dank seiner Ballsicherheit – blind. Ging sein Plan einmal schief, sorgten das fehlende eigene Zurückarbeiten sowie das offensive Aufrücken der Mitspieler für Kontersituationen des Gegners. In seinen Kommandos sollte das Verständnis für die Restverteidigung noch etwas mehr Einzug erhalten.

Laufen, Passen, Schießen

Doch am Ball ist Ritsu Doan das, was man unter einem „kompletten Spieler“ versteht. Er bewegt den Ball nach vorne, er dribbelt Einzelspieler aus, er spielt kreative Pässe und kommt immer wieder zum Abschluss. Besonders beeindruckend in seiner Bundesliga-Saison: Er stieß 63 Mal mit dem Ball ins gegnerische Drittel vor. Nur acht Bundesligisten initiierten häufiger Angriffe über eigene Läufe.

Mit 2,89 Aktionen, die zu einem Schuss für die eigene Mannschaft führten, konnte Doan zwar nicht mit den Topspielern der Liga (Christopher Nkunku 6,18 SCA/90) mithalten, führte die Bielefelder jedoch klar an. Dabei sammelte er wiederum viele Fehlpässe.

Seine Passquote von 63,4% war kein guter Bundesliga-Wert. Beim SC Freiburg wäre er in der abgelaufenen Saison zweitschwächster Spieler gewesen. Doch die meisten dieser Fehlpässe kamen durch riskante Zuspiele im gegnerischen Drittel – und generell verbesserte er sich hier im letzten Jahr bei der PSV enorm. 81% Passgenauigkeit (77% in der gegnerischen Hälfte) sind deutlich stärkere Werte.

Damit erzeugte er bei PSV 0,6 Torschussvorlagen pro Partie. Diese Torgefahr bringt Doan nicht nur für andere. Vor allem weiß er selbst, wo das Tor steht. Mit 11 Treffern in 2.224 Spielminuten netzte er alle 202 Minuten. Dabei traf er auf alle möglichen Arten. Ob Abstauber im Fünfer, Abschluss im Sechzehner oder Kunstschuss aus der Ferne: Doan strahlt Gefahr aus!

Ritsu Doan Statistiken

Über die Eredivisie  in die Bundesliga

Ritsu Doan wurde am 16.06.1998 in Amagasaki, Hyogo geboren. Der Japaner spielte in seiner Jugend für verschiedene Teams, seine ersten Schritte als Profi machte er dann bei Gamba Osaka. Sein Debüt gab er dort im Alter von nur 16 Jahren am 27.05.2015. Von dort wechselte Doan 2017 zunächst per Leihe und später fest zum FC Groningen.

Beim niederländischen Erstligisten überzeugte Doan mit 23 Scorern (16 Tore, 7 Vorlagen) in 66 Spielen, sodass ihn 2019 die PSV für kolportierte 7,5 Millionen Euro nach Eindhoven lockte. Nach einer schwächeren ersten Saison wurde er 2020/21 an Arminia Bielefeld ausgeliehen. Im Sommer 2021 sollte er Gerüchten zufolge verkauft werden, biss sich jedoch durch und spielte eine starke Saison für Vizemeister der Eredivisie.

Seit 2018 ist er zudem für die japanische Nationalmannschaft aktiv.  Nachdem er seinen Kaderplatz aufgrund schwächelnder Leistungen bei Eindhoven wieder verlor, konnte er sich im letzten Jahr zurück kämpfen. In der vergangenen Abstellungsperiode kam er vier Mal zum Einsatz und bereitete in seinen beiden Startelf-Einsätzen jeweils ein Tor vor.

Ritsu Doan: Der Traum vom großen Turnier

Im Interview mit dem niederländischen Magazin Voetbal International verriet Ritsu Doan seinen großen Traum: „Ich weiß sehr genau, was ich will: In der Champions League spielen!“ Im „schönsten Wettbewerb“ möchte er gegen die besten Spieler und Vereine der Welt antreten, um sich selbst daran zu messen und immer besser zu werden.

Unwahrscheinlich, dass er diesen Traum beim SC Freiburg erfüllen kann. Doch klar ist: Nach dem Europa League-Aus in der Gruppenphase mit Eindhoven (man zog als Gruppendritter in die Conference League ein), bekommt er nun erneut die Chance, sich auf der zweitgrößten Bühne zu beweisen und daran zu wachsen. Europa League-KO-Phase mit dem SC Freiburg – das wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum großen Traum Champions League.

Quelle Titelbild: SC Freiburg

Autor: Nik Staiger (TwitterInstagram)

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