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„Ich kann mir vorstellen, noch lange in Freiburg zu bleiben!“

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Nik Staiger sprach mit SC Freiburg-Spieler Lucas Höler über seine Stärken, seine taktischen Rollen, die besondere Beziehung zu seinem Trainer Christian Streich und Freundschaften im Fußball. (22.09.2021)

Nik Staiger: Herr Höler, Sie sind mit dem SC Freiburg gut in die Saison gestartet. Drei Siege, drei Unentschieden – wie zufrieden sind Sie mit den bisherigen Pflichtspielen?

Lucas Höler: Ich bin sehr zufrieden, wenn man die Mannschaften sieht, gegen die wir am Anfang gespielt haben. Im Pokal weiterzukommen ist keine Selbstverständlichkeit und in der Liga sind wir immer noch ungeschlagen. Ich denke, das hätte jeder vorher so unterschrieben.

Bei allen drei Siegen waren Sie am Siegtor direkt involviert. Sind Sie froh, ein entscheidender Teil dieses erfolgreichen Starts zu sein?

Auf jeden Fall! Als Stürmer ist man immer froh, wenn man der Mannschaft mit Toren oder Assists weiterhelfen kann. Es freut mich extrem, dass das in den ersten Spielen so geklappt hat, und ich hoffe, dass das jetzt so weitergeht. Wir hatten zuletzt zwei schwierige Spiele mit wenig Torgefahr – ich hoffe, das können wir am Sonntag wieder ändern.

Sie sind ein eher ungewöhnlicher Stürmer, der nicht primär für Scorerpunkte bekannt ist. Wenn es nicht die Tore sind, wo liegen Ihre Stärken und welche Dinge möchten Sie noch verbessern?

Wenn man mich aufstellt, weiß man, was man bekommt. Ich bin ein Spieler, der sich überall reinwirft. Ich arbeite immer für die Mannschaft und der gemeinsame Erfolg steht für mich an erster Stelle. Ich denke, es ist extrem wichtig, dass ich versuche, so viel wie möglich schon vorne abzuarbeiten. Verbesserungspotential gibt es natürlich bei den Scorerpunkten, da möchte ich die Statistik noch erhöhen. Ich arbeite jeden Tag daran, das Bestmögliche aus mir rauszuholen.

Lucas Höler arbeitet im Training an seiner Bestform. (Quelle: SC Freiburg)

In dieser Saison klappt das mit den Scorern bisher ja ganz gut.

Ja, bisher bin ich sehr zufrieden.

Früher spielten Sie noch als Libero und erst bei den Profis im Sturm. Sie mussten das Toreschießen also erst lernen. Wie sehr hält dieser Lernprozess noch an?

Was das Toreschießen selbst betrifft, kann ich da jetzt nicht mehr so viel lernen. Da muss ich einfach in den richtigen Momenten eine gute Entscheidung treffen. Gerade weil man beim SC Freiburg auch nicht so viele Torchancen bekommt wie bei anderen Bundesligamannschaften. Ich denke, Schießen kann ich schon ganz gut.

Trotz Ihrer zuletzt guten Leistungen stehen Sie bei Fans wegen Ihres Spielstils immer wieder in der Kritik. Wie nehmen Sie diese wahr? Inwiefern belastet Sie das im Fußballalltag?

Vor meiner Zeit in Freiburg kannte ich es nicht, dass so viel Kritik – gerade über Social Media – auf einen einprasselt. Da hat sie mich sehr getroffen und auch persönlich mitgenommen. Aber mit der Zeit habe ich gelernt, damit umzugehen, denn man kann es nicht abstellen und es wird immer wieder etwas kommen. Ich lebe damit. Natürlich würde es mich freuen, wenn es weniger wird, aber das kann ich nicht beeinflussen.

Ihr Trainer Christian Streich scheint Ihre Qualitäten sehr zu schätzen. Wie sehr hilft Ihnen das mit dieser Negativität umzugehen? Wie würden Sie Ihre Beziehung zu Christian Streich beschreiben?

Es hilft mir extrem viel. Er ist sozusagen mein Chef und dann gibt es eigentlich nichts Besseres als seine lobenden Worte. Ich bin mega-happy, dass er mein Trainer ist. Nirgendwo auf der Welt ist ein Trainer so lange beim selben Verein. Das ist auch eine Konstante in Freiburg, die einfach überragend ist. Ich weiß, was ich an ihm habe – und er, was er an mir hat. Deswegen ist der Austausch so gut. Das möchte ich nicht missen.

Bei Streichs Aufstellung ist immer spannend, wo Sie eingesetzt werden: Als Stoßstürmer, auf den Flügeln oder zusätzlich zu einem weiteren Stürmer? Wie entsteht so eine Entscheidung über ihre Position?

Da habe ich relativ wenig Einfluss drauf. Der Trainer und sein Team überlegen sich eine Strategie, die für den Gegner passt. Ich bin flexibel einsetzbar und spiele auch überall gerne. Da kommt es dann darauf an, auf welcher Position ich meine Stärken gegen den speziellen Gegner am besten einsetzen kann. Ich spiele, wo der Trainer mich aufstellt.

Ist es manchmal schwierig, wenn man jedes Spiel auf einer anderen Position spielt? Wie läuft die Vorbereitung darauf ab?

Ich kenne jede Position und weiß auch, was ich dann zu tun habe. Ich trainiere dann natürlich die Woche auf dieser Position und der Trainer macht klar, was er von den Spielern auf dieser Position erwartet. Ich habe in den ersten vier Spiele als Stoßstürmer gespielt. Das ist schön, weil es meine Lieblingsposition ist und ich mich bei einer gewissen Konstanz auch dort einspielen kann. Wenn ich wirklich jede Woche woanders spielen würde, wäre es natürlich schwierig. Aber das war bisher nicht der Fall.

Am vergangenen Spieltag gegen den FSV Mainz 05 spielten Sie eher als falsche Neun. Was sagte Ihnen Christian Streich über die Gründe und Ihre Rolle in diesem Spiel?

Gegen Mainz habe ich eher auf der Zehn mit zwei Spielern vor mir gespielt. Ich sollte hauptsächlich den gegnerischen Sechser zu machen und verhindern, dass Mainz den Spielaufbau über diesen verlagern kann. In gewissen Situationen sollte ich dann auch Stefan Bell anlaufen. Das hat ganz gut geklappt. Wir haben nicht viel zugelassen, aber leider konnten wir nach vorne wenige Torchancen kreieren, deshalb ging das Spiel dann 0:0 aus.

Lucas Höler spielt gegen den FSV Mainz 05 auf der Zehn – und deckt Sechser Dominik Kohr ab.

Ihr Trainer ist dafür bekannt, Spieler sehr gut vom SC Freiburg überzeugen zu können – auch an ungewöhnlichen Orten. Amir Abrashi traf er an einer Raststätte und Robin Koch besuchte ihn sogar in einer Blockhütte im Schweden-Urlaub. Wie lief bei Ihnen der erste Kontakt mit Streich ab und wie hat er Sie vom SC Freiburg überzeugt?

Zunächst habe ich mich bei mir zu Hause mit den Verantwortlichen des SC Freiburg getroffen. Im nächsten Schritt bin ich dann nach Freiburg gefahren und habe mir alles angeschaut. Dort habe ich dann auch ein persönliches Gespräch mit dem Trainer geführt. Was ich von ihm gehört habe, hat mir sehr gut gefallen – es passte alles. Dann ging es eigentlich relativ schnell und ich bin hier her gewechselt.

So schnell, dass Sie sogar ein halbes Jahr früher als geplant vom SV Sandhausen zum SC Freiburg gewechselt sind. Wieso?

Wir hatten uns schon vorher getroffen und es stand im Raum, dass ich im Sommer hier her wechseln soll. Dann hat sich Freiburgs Stürmer Florian Niederlechner verletzt und sie mussten sofort handeln. Das musste dann natürlich noch mit Sandhausen geklärt werden, aber ich habe mich gefreut und war extrem glücklich, dass es schon früher geklappt hat.

Sie haben auf dem Weg von der Bremenliga bis in die Bundesliga einige Klubs erlebt. Was unterscheidet den SC von anderen Vereinen?

Auf alle Fälle die Konstanz auf der Trainerposition! Das gibt es nirgendwo anders. Alle Verantwortlichen sind schon lange im Klub. Hier ist alles sehr familiär. Das ist einfach eine Wohlfühloase, in die man aufgenommen wird. Deswegen fühle ich mich auch super wohl und kann mir vorstellen, noch lange hier zu bleiben.

Nach 3,5 Jahren an der Dreisam folgt bald der Stadionwechsel. Welche Emotionen und Erinnerungen verbinden Sie mit dem Dreisamstadion und auf welche Veränderung freuen Sie sich besonders?

Das Dreisamstadion ist natürlich Kult! Hier haben wir mit den Fans sehr viele schöne Siege gefeiert. Hier herrscht eine unglaubliche Stimmung und es ist sehr schade, dass jetzt das letzte Spiel im Dreisamstadion stattfindet. Wir freuen uns aber alle auch auf das neue Stadion, das wird natürlich nochmal eine andere Hausnummer. Die Stimmung wird noch besser und die Fans werden noch lauter sein. Es ist alles auch ein bisschen moderner. Hier ist es natürlich schön gewesen, aber ich denke, es ist jetzt auch an der Zeit, ins neue Stadion umzuziehen. Ich bin extrem gespannt, was uns erwartet und wie es sich anfühlen wird, dort auf dem Platz zu stehen. Die Vorfreude ist groß!

Der Umzug ins neue Stadion steht bevor: Am 07.10. wird das „Europa-Park Stadion“ mit einem Freundschaftsspiel gegen den FC St. Pauli eingeweiht. (Quelle: SC Freiburg)

Normalerweise bleibt das Stadion, dieses Jahr blieben die Mitspieler. Wie gut verstehen Sie sich mit Ihren Mitspielern? Gibt es da engere Bindungen?

Ich verstehe mich mit allen sehr gut. Wir sind ein schöner Haufen, der eigentlich immer zusammenhält. Natürlich gibt es den ein oder anderen, mit dem man sich besser versteht und wo dann Freundschaften entstehen. Ich bin ja schon länger hier, da kennt man einige auch schon ziemlich gut. Ich fühle mich sehr wohl. Ich mag die Jungs, das Trainerteam und auch die Stadt. Ich hoffe, das geht so weiter.

Gibt es überhaupt Freundschaften in diesem schnelllebigen Bundesligageschäft, wo Spieler ständig ihre Vereine wechseln?

Es ist schwer, alle Bekanntschaften zu halten, die man macht. Aber das wäre auch nicht der richtige Weg, denn von den richtigen Freunden gibt es nur ein paar im Leben. Natürlich lernt man viele Leute kennen und hat eine schöne Zeit, aber wenn jeder seine eigenen Wege geht, ist es schwierig, mit allen Kontakt zu halten. Bei ein paar Spielern funktioniert das, weil man sich einfach gut versteht. Diese Freundschaften haben dann auch über den Fußball hinaus Bestand.

Spielt der Konkurrenzdruck dabei eine Rolle? Beeinflusst das eine Freundschaft?

Eigentlich hat es gar keinen Einfluss. Sie gönnen es mir, wenn ich spiele – und ich Ihnen, wenn sie spielen. Es gibt leider nur elf Plätze, dann ist klar, dass vorne nicht alle spielen können. Da geht aber jeder gut mit um – Neid gibt es hier nicht.

Sie sagen, Sie wollen noch länger in Freiburg bleiben. Die Kollegen Nils Petersen und Christian Günter bauen gerade Häuser in Freiburg. Wann kommt Ihres dran?

(schmunzelt) Ach, das dauert glaube ich noch sehr lange. Ich weiß noch gar nicht, wo ich nach der Karriere wohnen möchte. Meine komplette Familie lebt im Norden, deswegen ist es aktuell gar nicht vorstellbar, dass ich hier ein Haus baue – das ist einfach zu weit weg. Aber man sollte es nie ausschließen. Günni kommt von hier, da ist es klar, dass er hier auch ein Haus gebaut hat. Nils‘ Frau kommt auch aus der Region. Das sind andere Voraussetzungen als bei mir.

Mit welchen persönlichen Zielen gehen Sie in die Saison?

Mein persönliches Ziel ist es, fit zu bleiben und mich nicht zu verletzen. Ich möchte mit der Mannschaft Erfolg haben und selbst etwas dazu beitragen – am besten viele Scorerpunkte.

Autor: Nik Staiger (Twitter @Nik_Staiger)

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