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Keven Schlotterbeck – im Schatten des kleinen Bruders

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Bei der Schlotterbeck-Rückkehr in die alte Försterei durften beide Brüder gemeinsam ran. In Nico Schlotterbecks Schatten ging also auch Bruder Keven ins Rennen, überzeugte dabei auf ganzer Linie und konnte seine Chance nutzen.

Vom Bruder aus der Startelf verdrängt

Die letzten zwei Saisons liefen richtig gut für Keven Schlotterbeck. In der Saison 2019/20 war er an den 1. FC Union Berlin ausgeliehen und konnte dort 23 Einsätze sammeln und sich stetig verbessern. Während sein Bruder in der Folgesaison 2020/21 seinen Platz in Berlin einnahm, lief es für ihn beim SC Freiburg ebenso gut. Er war zwar nicht jedes Spiel gesetzt, wenn Dreierkette gespielt wurde, war er aber erste Wahl in der Zentrale.

Das änderte sich, als sein Bruder Nico im Sommer zurückkehrte. Anstatt als dritter Innenverteidiger ein fester Teil der Systemrotation zu sein, fiel er hinter Nico, Philipp Lienhart und Manuel Gulde auf den vierten Platz zurück. Das wurde dadurch verstärkt, dass er für den deutschen Olympia-Kader nominiert wurde und Teile der Vorbereitung verpasste.

Anstatt den „nächsten Schritt“ zu machen, ging es also einen Schritt zurück. Vor dem vergangenen Spieltag durfte Keven erst einmal in der Startelf ran – in der zweiten Pokalrunde gegen den VfL Osnabrück. Hier überzeugte er zwar mit einer guten Leistung und schlussendlich dem Ausgleichstor in der Nachspielzeit der Verlängerung, in der Liga musste er sich jedoch wieder hinten anstellen.

Chance genutzt – und wie!

Nachdem sein Bruder gegen die TSG Hoffenheim verletzt ausgewechselt wurde, machte Keven bereits dort einen guten Job, durch die Unsicherheit von dessen Fitness konnte er sich trotz kurzer Pause frühzeitig auf einen Startelf-Einsatz vorbereiten, auch wenn dieser nicht gesichert war.

Am Ende profitierte Keven von einem kurzfristigen Ausfall Guldes, denn sein Bruder wäre einsatzbereit gewesen. „Er war gesund, es ging ihm gut. Sonst hätte er nicht gespielt“, erklärte Trainer Christian Streich. Ohne Guldes Ausfall wäre es also wohl wieder die Bank gewesen.

Dabei wusste er als zentraler Spieler der Dreierkette zu überzeugen. „Er hat die Chance genutzt. Er hat gut gespielt, war sehr aufmerksam. [Sein Einsatz] ist sehr positiv gewesen, das hat mich sehr gefreut“, lobt Streich den geduldigen Bruder.

Volle Unterstützung für Bruder Nico

Während sich der jüngere Bruder Nico Schlotterbeck mehrfach dahingehend äußerte, dass er nicht mit seinem großen Bruder in einen Konkurrenzkampf treten wolle, gab es von Keven Schlotterbeck stets vollste Unterstützung für seinen Bruder.

Das fing schon Anfang der Sommerpause an. Als Nico mit der U21 die Europameisterschaft holte, war Keven bei jedem spielt dabei und der lauteste im Stadion. Wer genau hinhörte, konnte die Stimme sogar einer Vielzahl von Fangesängen raushören. Bedenken um die Konkurrenzsituation äußerte der ältere Bruder öffentlich nie.

Im Schatten gespielt, aber dort geglänzt

In der laufenden Saison wird vor allem über Nico Schlotterbeck gesprochen. Der Nationalspieler ist das Gesprächsthema Nummer Eins beim SC Freiburg. Auch vor dem Duell mit Union Berlin wurde zwar über das ehemalige Unioner Brüderpaar berichtet, der Fokus lag aber doch häufig auf dem jüngeren Nico Schlotterbeck.

Im Spiel war von diesem Aufmerksamkeits-Unterschied wenig zu sehen. Sie sind zwar gänzlich verschiedene Spielertypen, zeigten aber „beide eine gute Leistung“, so Streich. Keven Schlotterbeck glänzte durch ein starkes Positionsspiel, eine Menge Defensivaktionen und eine tolle Zweikampfquote. Das wichtigste aber war, dass Keven eine unfassbare Ballsicherheit zu bieten hatte.

Defensiv wuchtig und stark

Neben dem Lob vom Coach hat Keven Schlotterbeck weitere Leistungsnachweise anzubieten: Seine Statistiken sind herausragend stark. Mit insgesamt 20 Defensivaktionen hat er auf dem ganzen Feld am meisten zum torlosen Unentschieden beigetragen (Nico Schlotterbeck 6, Philipp Lienhart 10).

Obendrauf kommt eine Zweikampfquote von starken 77% – auch das ist Bestwert unter den Verteidigern beider Seiten. Seine Klärungsaktion mit dem Schienbein vor dem leeren Tor findet sich in keiner Statistik, ist aber ebenfalls wichtig zu erwähnen.

Mit Ballsicherheit und Passgenauigkeit ins Mittelfeld

Und auch mit dem Ball konnte Schlotterbeck begeistern. Immer wieder schob er aus der Abwehrkette raus und unterstützte Nicolas Höfler im defensiven Mittelfeld, um Möglichkeiten zu kreieren, den Unioner Defensivblock zu überspielen.

Das machte er häufiger als Lienhart, der die zentrale Position bisher diese Saison gespielt hatte. „Es ist ein taktisches Mittel, aber auch die persönliche Ausprägung der Spieler“, erklärt Streich die Vorgehensweise in diesem Spiel. Dass Keven in dieser Rolle glänzen kann, zeigte er in der Vergangenheit immer wieder.

Er kann aber auch das Spiel aus der tiefen Position aufbauen, von drei langen Pässen brachte er zwei an den Mann. Generell überzeugte Keven durch Passsicherheit. Mit 87% Passquote setzte er auch hier die Bestmarke des Spiels.

Trotz 71 Ballaktionen verlor Keven nur sieben Mal den Ball. Auch das wird seinem Cheftrainer gefallen haben, so kritisierte er in derselben Pressekonferenz die Ballsicherheit einiger Spieler (SC Freiburgs 5-3-2 kontert Unions 3-5-2) – Keven Schlotterbeck war damit vermutlich nicht gemeint.

Wie geht es weiter?

Vergangene Woche sprach Christian Streich darüber, dass Rotationsspieler ihre Chancen nutzen müssen. (Christian Streich: So kommt man beim SC Freiburg in die Startelf) Auf Nachfrage bestätigte er, dass Keven Schlotterbeck das getan habe. Da er weiterhin hauptsächlich als zentraler Dreierketten-Libero zum Einsatz kommen wird, ist ihm ein erneuter Startelf-Einsatz aber nicht gesichert.

Insgesamt wird es für ihn wieder regelmäßig davon abhängen, in welchem System Streich seine Mannschaft auf das Feld schickt. An dem kleinen Bruder ist wohl so schnell kein Vorbeikommen, doch der soll sich im Sommer sowieso anderweitig orientieren wollen. Wenn Keven geduldig bleibt, könnte spätestens dann seine Zeit kommen. An seinen Leistungen wird es wohl nicht scheitern.

Quelle Titelbild: SC Freiburg

Autor: Nik Staiger (Twitter @Nik_Staiger)

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