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Manipulation im Fußball – auch in Foren?

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Manipulation im Fußball ist bekannt. Gibt es dies auch in Foren? Was wären Gründe, Auswirkungen und Gefahren? Wie kann man solche Manipulationen entdecken?

Vorneweg: Dieser Artikel ist rein hypothetischer Natur. Er soll vor allem bei Betreibern, aber auch Nutzern von Fußball-Foren wie beispielsweise dem von transfermarkt.de (abgekürzt TM) das Bewusstsein schärfen, dass es Accounts bzw. User geben könnte, die Meinung manipulieren möchten. Warum dies geschehen könnte, warum es überhaupt in sozialen Medien und sogenanntem User-generated content (UGC, siehe Wikipedia) Fake-Accounts und Fake-Beiträge gibt, möchte ich in diesem Artikel herleiten.

Fake-News und Meinungsmache

Gerade im Zusammenhang mit den letzten bedeutsamen Wahlen wie den in den USA und Deutschland ist klar geworden, dass es massive Einflussnahme auf Meinungen gibt. Dies erstreckt sich von Falschinformationen („Fake News“) über persönliche Angriffe auf politische Akteure, Cyberattacken auf die technische Infrastruktur bis hin zu verdeckter Unterstützung im Wahlkampf (siehe diesen ZEIT-Artikel vom 14.02.17), vor allem im Interesse von nationalistischen Parteien wie der AfD bzw. im Interesse Russlands (siehe Süddeutsche vom 06.06.17). Die Gründe sind politische Einflussnahme, Destabilisierung ganzer Nationen oder schlichtweg Geld (siehe „AfD als neue Mövenpick-Partei“ auf heise.de, wo gezeigt wird, wie gezielt Ängste geschürt werden, an denen dann im Goldhandel verdient wird).

Manipulation im Fußball

Die gleichen Faktoren – Einfluss, Destabilisierung und Geld – lassen sich im Fußball feststellen. Spätestens seit dem Transfer von Neymar sollte auch dem letzten Fan klar geworden sein: Profi-Fußball ist Big Business! Für die Spielzeit 2016/2017 erhielten die 20 Clubs der englischen Premier League 2,75 Milliarden Euro (siehe Transfermarkt.de vom 02.06.17). Wir reden längst nicht mehr von Millionen, sondern von Milliarden! Wo solche Summen im Spiel sind, gibt es massive wirtschaftliche Interessen.

Der Fußball-Wettskandal von 2005, als die Summen noch wesentlich kleiner waren, ist nun 12 Jahre her. Prägende Gestalt war der deutsche Fußballschiedsrichter Robert Hoyzer. Ebenfalls beteiligt war Felix Zwayer, der für sechs Monate gesperrt wurde – die ZEIT hat hier vor drei Jahren einen interessanten Hintergrund-Artikel geliefert. Zuletzt hat Herr Zwayer im Pokal-Spiel zwischen RB Leipzig und Bayern München fragwürdige Entscheidungen getroffen und erst diesen Sonntag als Video-Schiedsrichter, der gar nicht hätte eingreifen dürfen, die rote Karte gegen Söyüncü maßgeblich zu verantworten, die dann spielentscheidend für die Niederlage Freiburgs gegen Stuttgart war. Fans der betroffenen Vereine spekulieren seitdem wild, ob es sich hier um gezielte Benachteiligung handeln könnte, Christian Streich sagte dazu: „Die Bundesliga ist ein großes Geschäft – und wir gehören nicht zu den Großen.“ Damit legt er nahe, dass Entscheidungen eher im Interesse großer Vereine gefällt werden.

Öffentliche Stimmungsmache – von Trollen und Fakes

Neben Spiel-Manipulationen und Wettskandalen gibt es viel mehr: Steuertricks von Spielern wie Ronaldo, die Macht von Spieleragenten, ja geradezu moderne Sklaverei mit Spielern bis hin zur Verstrickung mit dem organisierten Verbrechen (siehe Zusammenstellung von watson.ch bezüglich Footballleaks). Fans von Eintracht Frankfurt wissen um die schmutzigen Geschäfte im Zusammenhang mit Spielern wie Luc Castaignos (siehe 11 Freunde) oder Mijat Gacinovic (siehe Spiegel Online). Verglichen damit ist öffentliche Stimmungsmache in Foren Kleinkram. Doch auch hier sollte man die Augen auf halten.

Leser der Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau kennen vielleicht noch jenen Mainzer Fan, der in den Kommentarspalten regelmäßig für Stunk sorgte – gegen die Eintracht Fans oder die Verantwortlichen des Clubs hetzte. Hier schien klar: Das ist einfach nur ein Fan des gegnerischen Vereins, der seine Aversionen auslebt. Doch was, wenn in diesem Big Business ebenso aufgerüstet wird wie sonst in Wirtschaft und Politik?

Ein Beispiel: Bei Borussia Dortmund ist Peter Bosz aktuell schwer in der Kritik. Jedem Fußball-Fan sollte klar sein, wieviel Einfluss die öffentliche Meinung auf Personalentscheidungen gerade im Trainerbereich hat. Wer hier eingreifen wollte (siehe oben die drei Punkte Einfluss, Destabilisierung und Geld), bräuchte nur massive Meinungsmache in Foren wie bei TM zu machen: Stänkern gegen Bosz, Aufruf zu Aktionen im Stadion usw. Ein einziger Mensch mit mehreren Accounts oder gar die koordinierte Attacke durch getarnte „Fans“ konkurrierender Vereine könnte hier bereits ebenso das Zünglein an der Waage spielen wie die Schaltung von desinformierender Facebook Werbung bei der Wahl von Trump in den Swing States der USA.

Ausgelöst wurden diese Gedankengänge durch die gehäuft auftretenden Anti-Kovac Posts in Threads bei Transfermarkt.de. Dabei fiel auf, dass es immer wieder dieselben fünf oder sechs Accounts sind, die massiv gestänkert haben. Einfach nur frustrierte, unbelehrbare Fans? Oder doch Stimmungsmache? Die sich ständig wiederholenden identischen Vorwürfe, die jegliche intelligente Argumentation anderer User ignorieren, würde bedeuten, dass hier wirklich jemand sehr dumm sein muss – oder eben Stimmung machen will. Wenn dazu kommt, dass ein Trainer wie Niko Kovac bei den Gazetten nicht so beliebt ist, da er keine Interna zu den Medien durchsteckt, kann eine unheilige Allianz aus Medien und Trollen entstehen, die die öffentliche Meinung bei einer Phase der Erfolglosigkeit auch eher mal kippen lassen könnte.

Erkennungsmuster von Fake-Accounts

Ob hinter mehreren Accounts vielleicht nur ein User steckt, könnte intern von TM gecheckt werden: Dabei ist die IP-Adresse noch relativ leicht zu faken, während der Browser schon deutliche Fingerabdrücke hinterlässt (Bildschirmauflösung, Betriebssystem, darüber hinaus Cookies etc.). Sicherlich kann man auch dies alles faken, aber zumindest der gemeine Troll, der diesen Aufwand nicht betreibt, könnte hier von Seiten des Betreibers eines Forums ermittelt werden – sofern der Betreiber ein Interesse daran hat und nicht vielleicht gar selbst solche Fake-Accounts betreibt, um in Foren für Stimmung zu sorgen und dadurch den Traffic und somit die Werbeeinnahmen nach oben zu treiben. Dass dies beispielsweise bei Single-Börsen stattfindet, ist hinlänglich bekannt.

Wenn ein User (und nicht ein ganzes „Büro“) mehrere Fake-Accounts betreibt, kann man von außen vielleicht mit semantischen Analysen Rückschlüsse ziehen. Während die Erkennung von Bots auf Twitter noch relativ einfach ist, muss man bei menschlichen Usern in Foren schon deutlich genauer hinschauen. Eine manuelle Begutachtung mit entsprechendem linguistischen Hintergrund kann keine Beweise, aber zumindest Anhaltspunkte liefern. Selbst wenn jemand professionell arbeitet, unterschiedliche Schreibstile etc. verwendet: Es gibt immer mal kleine Muster oder Hinweise, Seltsamkeiten, die durchrutschen. Wer auf Amateur-Level Stimmungsmache betreibt, fällt schon eher auf.

Ich hoffe jedenfalls, dass Betreiber von großen Fußball-Foren hier genauer hinschauen, zumindest die technischen Möglichkeiten für interne Analysen sind vorhanden. Zudem wäre eine Ignore- bzw. Blockierungsfunktion, wie sie manche Foren und auch Facebook bieten, sehr hilfreich und ein klares Bekenntnis, dass man kein Interesse an solchen Trollen hat. Dazu apelliere ich an die Vereine, sich bei Personalentscheidungen möglichst nicht von der öffentlichen Meinung beeinflussen zu lassen. Für uns User bedeutet es: Spar dir Diskussionen mit Leuten, die eh auf ihrer einseitigen Meinung beharren. Don’t feed the troll. Fütter auch nicht den Fake. Und sei dir bewusst, dass hinter mehreren Accounts derselbe Mensch stecken kann.

Foto-Nachweis: Donald Trump at Basel Fasnacht Carnival 201711 – by Carnaval.com Studios – CC BY 2.0

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